5014523 – Wissenskulturen: Wissenschaftskommunikation in Krisen [WissKult]
Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, wie schnell Wissenschaftskommunikation in Krisenkommunikation umschlagen kann: Was die Wissenschaft in einer Pandemie kommuniziert, beeinflusst den Verlauf und die Dynamik der Krise selbst. Wie hoch der Anteil der Impfwilligen ist, wie konsequent Hygieneregeln eingehalten werden und wie hoch die Zustimmung zu staatlichen Verordnungen ist, hängt auch von der Qualität der begleitenden Wissenschaftskommunikation ab. Das wird auch daran erkennbar, dass kaum jemals zuvor Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der öffentlichen Kommunikation eine einflussreichere Rolle gespielt haben. Für die Analyse der Wissenschaftskommunikation ergibt sich daraus die Fragestellung, in welcher Weise sie durch die Krisenbedingungen beeinflusst und verändert wird. Krisen zeichnen sich aus durch eine hohe epistemische Unsicherheit bei gleichzeitig hohem Entscheidungs- und Handlungsdruck. Dabei ist die epistemische Unsicherheit nicht nur durch den sich kontinuierlich ändernden Erkenntnisstand der Wissenschaft bedingt, sondern auch durch die Alternativinformationen, die von Laien, Querdenkern, und Verschwörungstheoretikern in Umlauf gebracht werden. Aus dieser Konstellation lassen sich die Probleme ableiten, mit denen Wissenschaftskommunikation in einer Pandemie konfrontiert ist und die derzeit in einem Forschungsprojekt am Department für Wissenschaftskommunikation empirisch untersucht werden.
Das Seminar will auf Grundlage dieser pandemischen Konstellation die Ausprägungen und Entwicklungen der Corona-Kommunikation auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen untersuchen: auf den Social-Media-Kanälen der wissenschaftlichen Einrichtungen und der Politik (auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene), in den klassischen Massenmedien, in den diversen Foren wissenschaftlicher Laien, Querdenker und Verschwörungstheoretiker. Ziel dabei ist es, für die Wissenschaftskommunikation unter Krisenbedingungen Muster und Strukturen zu entdecken sowie Erfolgsstrategien und Qualitätsstandards zu entwickeln.
Zeit: Mi 11:30 bis 13:00 Uhr
Organisation: die Lehrveranstaltungen finden online sowie in 2 Blockveranstaltungen zu Beginn und zum Ende des Semesters statt (Termine und Online-Plattform werden noch bekannt gegeben)
Leistungsnachweis: Das Seminar findet im Modul „Wissenskulturen“ im MA Wissenschaft – Medien – Kommunikation statt (s. Hauptseminar (HS), 2 SWS; weitere Informationen s. Modulbeschreibung auf unserer WMK-Homepage). Die Modulprüfung wird im Rahmen einer schriftlichen Hausarbeit von ca. 20 Seiten erbracht (6 LP), die im Verlaufe des Seminars durch exemplarische Kommunikationsanalysen vorbereitet wird. Details von Leistungs- und Notenerwerb werden vor dem Seminar bekannt gegeben.
Literatur:
Boy, Bettina/Bucher, Hans-Jürgen/Christ, Katharina (2020). Audiovisual Science Communication on TV and YouTube. How Recipients Understand and Evaluate Science Videos. Frontiers in Communication 5. https://doi.org/10.3389/fcomm.2020.608620.
Hornmoen, Harald/McInnes, Colin (2018). Social Media Communication During Disease Outbreaks: Findings and Recommendations. In: Harald Hornmoen/Klas Backholm (Hg.). Social Media Use in Crisis and Risk Communication. Emerald Publishing Limited, 255–275.
Jarren, Otfried/Neuberger, Christoph (Hg.) (2020). Gesellschaftliche Vermittlung in der Krise. Medien und Plattformen als Intermediäre. Baden-Baden, Nomos Verlagsgesellschaft
Jones, Rodney H. (Ed). 2021: Viral Discourse. Elements in Applied Linguistics. Cambridge UK, et al., Cambridge University Press. (als eBook in der KIT-Bib verfügbar)
Sellnow, Deanna D./Lane, Derek R./Sellnow, Timothy L./Littlefield, Robert S. (2017). The IDEA Model as a Best Practice for Effective Instructional Risk and Crisis Communication. Communication Studies 68 (5), 552–567. https://doi.org/10.1080/10510974.2017.1375535.
van der Bles, Anne Marthe/van der Linden, Sander/Freeman, Alexandra L. J./Mitchell, James/Galvao, Ana B./Zaval, Lisa/Spiegelhalter, David J. (2019).
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